Italien
Schon damals mussten die Kirchenobersten die Unterstützung auswärtiger Mächte erbitten, um ihre Macht weiterhin ohne Einschränkungen auszuüben. Nicht selten traten sie später selbst mit diesen in Konflikt und verbündeten sich mit ihren eigentlichen Widersachern. Dieser Umstand und die militärische Schwäche der vielen Städte und kleinen Staatsgebilde begründeten eine mehrere Jahrhunderte währende Fremdherrschaft, in der sich vor allem Spanier, Franzosen und Österreicher behaupteten und Italien zu einem Spielball fremder Mächte degradierten. Ihr Ziel war es, über die Hegemonie in Italien eine Vormachtstellung in ganz Europa zu etablieren. Das Ende politischer Unabhängigkeit markiert der Italienfeldzug Karls VIII. von Frankreich (1494 - 95); das Ende einer dauerhaften Herrschaft durch einen Kaiser bedeutet der Tod des fortschrittlichen Friedrich II. (1250).
Eine zweite Entwicklung kennzeichnete Italien im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit: Größere Staaten vergrößerten ihr Territorium auf Kosten der kleineren. Die freien Städte und vor allem das im Mittelmeer äußerst aktive Venedig fürchteten weitere Gebietsabtretungen oder gar das Ende ihrer Unabhängigkeit und ließen so ihre avvisi ausschwärmen, um Informationen über die Absichten der Nachbarn zu gewinnen und durch die rechtzeitige Schließung von Bündnissen den Expansionsgelüsten größerer Staaten entgegenzuwirken. Dies erwies sich als Geburtsstunde der Diplomatie. [...]
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Miklós Sirokay
Italien: Leben und arbeiten in Italien
124 Seiten, DIN A5, Paperback

